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Unter einem Blasensprung versteht man das vorzeitige Platzen der Fruchtblase. Als Schwangere stellen Sie fest, dass eine große Menge Fruchtwasser meist in einem Schwall, manchmal aber auch in einem kontinuierlichen Fluss oder in mehreren Portionen abgeht. Bei Zwillingen kommt der vorzeitige Blasensprung anderthalb mal häufiger vor als bei Einlingen. Betroffen ist – wenn getrennte Fruchtblasen vorhanden sind – meist die Fruchtblase des vorn liegenden Kindes. Ein Blasensprung ist für sich genommen noch keine bedrohliche Situation. Trotzdem sollten Sie sofort die Geburtsklinik aufsuchen, da in aller Regel kurze Zeit später die Wehen einsetzen. Sollten die Wehen nicht einsetzen, muss eine künstliche Einleitung der Geburt erwogen werden, um Infektionen zu vermeiden. Sind die Zwillinge noch sehr klein, so wird vor der Geburt möglichst noch eine Lungenreifebehandlung durchgeführt. Einige Male ist es sogar schon gelungen, das von der geplatzten Fruchtblase betroffene Kind allein zu gebären und die Schwangerschaft danach mit dem anderen Zwilling noch eine Zeit lang fortzusetzen. Diese Lösung empfiehlt sich aber nur, wenn die Fruchtblase schon sehr früh im Verlauf der Schwangerschaft platzt. Manchmal verschließen sich geplatzte Fruchtblasen übrigens auch wieder von selbst und das Fruchtwasser wird innerhalb kurzer Zeit nachgebildet. In jedem Fall ist aber eine ärztliche Kontrolle notwendig, auch wenn Sie keine weiteren Beeinträchtigungen verspüren.
Leseprobe: Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitung
Nahezu alle Geburtskliniken und auch andere Organisationen sowie freie Hebammen bieten Kurse unter dem Titel "Schwangerschaftsgymnastik" und/oder "Geburtsvorbereitung" an. Grundsätzlich sollten bei der Schwangerschaftsgymnastik gymnastische Übungen im Vordergrund stehen, während Geburtsvorbereitungskurse den Geburtsablauf erklären, Atem- und Entspannungstechniken einüben und mental auf das Ereignis vorbereiten. Geburtsvorbereitungskurse in diesem Sinne sind gleichermaßen für werdende Väter geeignet und werden deshalb häufig auch als Partnerkurse angeboten.
Die Kursinhalte der einzelnen Anbieter weichen jedoch stark voneinander ab. Tatsächlich orientieren sich die Kursinhalte nicht so sehr an der formalen Kursbezeichnung als vielmehr an der Schwerpunktsetzung des jeweiligen Anbieters. So werden in "Geburtsvorbereitungs"-Kursen oft auch gymnastische Übungen angeleitet, während in "Schwangerschaftsgymnastik"-Kursen ebenso über den Geburtsablauf gesprochen und Atemtechniken eingeübt werden.
Als Schwangere tut man deshalb gut daran, sich vor der Anmeldung zu einem solchen Kurs genau über dessen Inhalt und Schwerpunkt zu informieren. Liegt der Schwerpunkt des Kurses auf gymnastischen Übungen, so sollten Sie zuvor mit Ihrem Frauenarzt abklären, ob die Teilnahme für Sie sinnvoll ist. Der Frauenarzt muss den Zustand Ihres Muttermundes und das Risiko vorzeitiger Wehen beurteilen und wird Ihnen dann möglicherweise von der Teilnahme abraten. Kommen Ihnen während der Kursstunden Zweifel, ob einzelne Übungen zu anstrengend sein könnten, so verzichten Sie besser auf diese Übungen und gönnen sich eine Pause. Insbesondere Pressübungen können bei Zwillingsschwangeren vorzeitige Wehen auslösen.
Die Teilnahme an einem wirklichen Geburtsvorbereitungskurs in dem eingangs bezeichneten Sinne ist aber in jeden Falle zu empfehlen und medizinisch völlig unbedenklich. Melden Sie sich rechtzeitig an und achten Sie auf einen nicht zu späten Kursbeginn. Oft fragen die Kursveranstalter nach dem errechneten Geburtstermin und stellen die Gruppen so zusammen, dass der Kurs kurz vor diesem Zeitpunkt endet. Mehrlingsschwangere verpassen dann häufig einen Teil des Kurses, weil deren Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich eher als zum errechneten Geburtstermin zur Welt kommen. Bemühen Sie sich deshalb um einen Kurs, der etwa einen Monat eher stattfindet als der für Ihren formal errechneten Geburtstermin an sich vorgesehene Kurs. Hebammen werden diesen Wunsch akzeptieren und vielfach sogar von sich aus den früheren Termin vorschlagen.
Leseprobe: Zwillingskinderwagen
Ein Kinderwagen wird erforderlich, sobald Sie zu Fuß eine Wegstrecke mit Ihren Zwillingen zurücklegen wollen. Praktisch kommt daher fast keine Familie um einen Kinderwagen herum. Bevor Sie sich konkrete Gedanken über die Anschaffung machen, sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass Kinder in der Regel nicht länger als acht bis zehn, allerhöchstens zwölf Monate liegend in einem Kinderwagen verbringen. In der Folgezeit wollen sie sitzend durch die Umgebung gefahren werden, entweder im so genannten "Sportwagen" bzw. "Karre" (stabiles Modell mit fester Sitzfläche) oder im "Buggy" (leichteres Modell mit geringerem Packmaß). Viele Kinderwagen sind so ausgestattet, dass sie von der Liegeposition in eine Sitzposition (Sportwagen) umgebaut werden können.
Für Zwillinge sind verschiedene Modelle im Angebot, die einerseits technisch nicht so weit entwickelt, andererseits durchweg teurer sind als vergleichbare Modelle für Einlinge. Die Hersteller haben verschiedene Grundtypen und -konzepte entwickelt, von denen man das Passende für sich zunächst herausfinden sollte, bevor man die konkrete Prüfung der einzelnen Angebote angeht.
Zunächst scheiden sich die Geister an der Frage, ob man Zwillinge besser nebeneinander oder hintereinander durch die Welt schiebt. Manche Modelle ermöglichen es sogar, die Kinder wahlweise neben- oder hintereinander zu positionieren (z.B. Inglesina); bei den meisten Kinderwagen ist die Anordnung jedoch fest vorgegeben. Nebeneinander hat bei vielen Modellen den Vorteil, dass beide Zwillinge wahlweise zunächst mit Blick zum schiebenden Elternteil und später in Frontrichtung ausgerichtet werden können, so dass sie ihren Entwicklungsphasen entsprechend jeweils dasjenige wahrnehmen, was ihrem Interesse entspricht. Dagegen bedeutet Hintereinander, dass die Kinder sich entweder gegenseitig ansehen oder aber wenigstens einer der Zwillinge auf die Rückwand des anderen Sitzes schaut. Manche Kinder lehnen sich dann zur Seite heraus, um mitzubekommen, was vorne passiert.
Ein wichtiger Gesichtspunkt ist aber auch die persönliche Mobilität: Nebeneinander nimmt viel Platz in der Breite, Hintereinander braucht mehr Platz in der Länge. Informieren Sie sich über das Packmaß und prüfen Sie, ob der anvisierte Kinderwagen – sofern Sie über ein Auto verfügen – in Ihren Kofferraum passt. Wenn Sie dagegen z.B. als nicht berufstätige Mutter vorwiegend in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, so vermessen Sie den Einstiegsbereich des benutzten Verkehrsmittels und prüfen Sie daraufhin die Kinderwagen. Denken Sie auch an die Breite von Aufzugtüren zu den Bahnsteigen oder U-Bahnschächten, sowie an die Länge der Aufzüge, wenn Sie einen Wagen "hintereinander" favorisieren. Dasselbe gilt für die Tore, Eingangstüren und Aufzüge, die Sie passieren müssen, um in Ihr Haus oder Ihre Wohnung zu gelangen. Prüfen Sie außerdem die Maße des vorgesehenen Abstellplatzes und berücksichtigen Sie dabei, dass in Hausfluren und Gemeinschaftsräumen nicht immer alle Nachbarn und Vermieter mit dem von Ihnen ausgesuchten Abstellplatz einverstanden sind, so dass notfalls ein Ersatzplatz gefunden werden muss.
Wenn ein Kinderwagen "nebeneinander" in Betracht kommt, gibt es wiederum zwei Alternativen. Die klassische Variante verfügt über zwei getrennt aufgehängte Schalen, in denen jedes Kind für sich soviel Platz hat, wie Einlinge in ihren Einlingswagen. Der Vorteil dieser Wagen liegt vor allem darin, dass die Zwillinge in ihren festen Schalen komplett herausgehoben werden können, ohne dabei aufzuwachen. Früher erkannte man diese Wagen an ihrem Mittelgestänge mit je vorn und hinten einer gesonderten Achsaufhängung, insgesamt also sechs Rädergruppen (z.B. Peg-Pérego). Neuere Modelle kommen mit vierrädrigen Fahrgestellen aus (z.B. Inglesina). Die Wagen sind wegen ihrer getrennten Schalen entsprechend breit und passen oft nicht durch die normale Eingangstür (=80 cm).
Demgegenüber erinnert eine andere, kompaktere Bauform eher an einen überbreiten Einzelkinderwagen (z.B. Emmaljunga). Diese Kinderwagen sind schmaler und passen durch gewöhnliche Eingangstüren; auch sind sie insgesamt wendiger. Viele Wege lassen sich mit dem etwas schmaleren Wagen erheblich besser bewerkstelligen. Der Nachteil dieser Wagen liegt darin, dass die Zwillinge nicht in je einer eigenen Hartschale liegen, sondern in schmalen Tragetaschen, in denen sie weniger Platz haben und bei dem Herausheben leicht aufwachen. Außerdem ist es bei diesen Modellen manchmal nicht möglich, die Zwillinge wahlweise in beide Richtungen auszurichten. Diese Nachteile spielen aber nur im Liegealter eine Rolle. Spätestens ab dem Sitzalter kommt es auf beide Aspekte nicht mehr an, so dass jedenfalls von da an die schmaleren Wagen durchaus im Vorteil sind. Allerdings muss man sich bei diesen kompakten Modellen genau informieren, ob sie überhaupt umgebaut werden können und welche Zubehörteile man dafür ggf. noch benötigt, die im Kinderwagenpreis nicht enthalten sind.
Wenn Sie Ihre Lebensgewohnheiten und Ihren Aktionsradius gedanklich mit den verschiedenen Bauarten durchgespielt haben, wird Ihnen das ein oder andere Konzept als am ehesten geeignet vorkommen. Erst dann sollten Sie daran gehen, sich für ein bestimmtes Modell zu entscheiden. Neben der allgemeinen Verarbeitung und dem angebotenen Zubehör (Regenplane, Sommer- und Wintersäcke) sollten Sie insbesondere auch die Qualität der Radaufhängung (Metall- oder Plastikausführung?) und den Raddurchmesser prüfen: Ein großer Raddurchmesser gleicht Bodenunebenheiten wesentlich besser aus und verspricht dadurch einen erheblich besseren Fahrkomfort – für die Zwillinge wie auch für die schiebenden Eltern. Hochgewachsene Eltern sollten sich auch für die Höhe des Schiebebügels interessieren; bei manchen Modellen ist er sogar verstellbar. Und nicht zuletzt: Lassen Sie sich das Zusammenlegen und Aufbauen des Kinderwagens zeigen und probieren Sie es auch selbst einmal aus.
Anderes Zubehör als das hier ausdrücklich genannte ist im Allgemeinen nicht erforderlich. Vor allem die zum Zudecken der Zwillinge angebotenen Daunenkissen und -bezüge gehören in die Kategorie der unnötigen Geldausgaben. Gewöhnliche Kopfkissen mit gewöhnlichen Kopfkissenbezügen, wie sie sich in jedem Haushalt finden, erledigen denselben Zweck. Lediglich Spannlaken und ggf. wasserdichte Unterlagen sollten Sie sich noch beschaffen, soweit sie für den Kinderwagen vorgesehen und nicht bereits im Zubehör enthalten sind. Sonnenschirme für den Kinderwagen sind nur bedingt praktikabel, weil die meisten Wege kurvig sind und die Sonnenschirme mit jeder neuen Fahrtrichtung immer wieder neu ausgerichtet werden müssen. Sie können allerdings eine Hilfe sein, wenn der Kinderwagen einmal für längere Zeit an einem Ort abgestellt wird. Am besten meidet man von vornherein die sommerliche Mittagshitze.
Wenn die Auswahl an Zwillingskinderwagen in den Geschäften Ihrer Umgebung begrenzt ist und Sie ein Freund des elektronischen Versandhandels sind, können Sie sich bei den folgenden Spezialanbietern einmal umsehen:
Auch hier bekommen Sie jedoch nicht alle Modelle, da einige renommierte Hersteller es ablehnen, mit den Versandfirmen zusammenzuarbeiten. Prüfen Sie die Versandfirmen kritisch auf ihre Geschäftsbedingungen und lassen Sie sich nicht unbedacht auf überhöhte Anzahlungsbeträge bei der Reservierung ein. Dieser Tipp gilt natürlich gleichermaßen für die Vorbestellung im Fachhandel vor Ort.
Leseprobe: Gleichzeitig an beiden Brüsten stillen?
Für Zwillinge gibt es verschiedene Stilltechniken. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Zwillinge entweder gleichzeitig an beiden Brüsten oder nacheinander zu stillen. Gleichzeitiges Stillen hat den Vorteil der Zeitersparnis. Es bedarf jedoch ein wenig Übung, um beide Kinder in die richtige Position zu bringen. Außerdem sind solche Stillpositionen nicht möglich, bei denen sich die Zwillinge ins Gehege kommen. Fast immer ist auch eine weitere Hilfsperson erforderlich, die die Kinder anreicht und abnimmt. Aus diesen Gründen entscheiden sich die meisten Frauen dafür, nacheinander zu stillen, was außerdem für diesen Moment einen intensiveren Kontakt zu dem einzelnen Kind ermöglicht.
Wenn man die Zwillinge nacheinander stillt, darf man dem ersten Kind nur eine Brust geben und muss die zweite Brust komplett für den zweiten Zwilling lassen. Denn im Laufe einer Stillmahlzeit ändert sich die Milch in ihrer Zusammensetzung. Zu Beginn bildet die Brust eine dünnflüssige Milch, die den Durst des Kindes stillen soll. Erst danach wird die Milch sämiger und enthält nun die Nährstoffe, die das Kind sättigen. Würden Sie dem ersten Kind beide Brüste geben, so bekäme es von beiden Brüsten nur die dünnflüssige Milch, während für den zweiten Zwilling aus beiden Brüsten nur noch die nährstoffreiche Milch übrig wäre, die jedoch seinen Durst nicht löscht. Jeder Zwilling muss daher zunächst die Chance bekommen, an einer "frischen" Brust zu saugen, um etwas von der dünnflüssigeren Milch für den Durst abzubekommen. Nur wenn ein Kind schon satt ist und das andere noch Hunger hat, obwohl seine Brust schon leer ist, dürfen Sie ihm die "Reste" aus der anderen Brust noch anbieten.
Leseprobe: Bundesstiftung "Mutter und Kind"
Die Bundesstiftung "Mutter und Kind – Stiftung zum Schutz des ungeborenen Lebens" wurde eingerichtet, um Schwangere in einer Notlage finanziell zu unterstützen. Dadurch soll vor allem erreicht werden, dass die Frauen sich nicht aus finanziellen Gründen zu einem Schwangerschaftsabbruch entschließen. Deshalb werden die Mittel der Bundesstiftung vorrangig an diejenigen vergeben, die sich während der ersten Schwangerschaftsmonate wegen einer finanziellen und sozialen Notlage an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden.
Zu den möglichen Leistungen der Bundesstiftung gehört auch die Finanzierung einer Haushaltshilfe bei Mehrlingsgeburten, und zwar bereits bei Zwillingsgeburten. Um die Stiftungsmittel erhalten zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
Zuständig für die Aufnahme der Anträgen sind in einigen Bundesländern bestimmte kirchliche Stellen (z.B. Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland), in den übrigen Ländern spezielle Landesstiftungen (z.B. "Stiftung Familie in Not" o.ä.). Da allerdings nicht alle Beraterinnen in den Beratungsstellen regelmäßig mit Zwillingen zu tun haben, sind ihnen die Sonderregelungen für Zwillingsschwangerschaften nicht immer geläufig. Es kann Ihnen daher passieren, dass die Beraterin die Haushaltshilfe kategorisch mit der Begründung ablehnt, es könnten keine Leistungen der Bundesstiftung parallel zum Erziehungsgeld gewährt werden. Dann sollten Sie auf § 4 Abs. 1 der Vergaberichtlinien hinweisen, wonach eine gleichzeitige Gewährung von Erziehungsgeld und Stiftungsmitteln in Betracht kommt, wenn dies mit Blick auf eine außergewöhnliche Belastungssituation besonders begründet ist. Als Ausnahmesituation in diesem Sinne ist die Finanzierung einer Haushaltshilfe bei Mehrlingsgeburten ausdrücklich anerkannt. Bitten Sie die Beraterin, im Leitfaden zur Vergabe der Bundesstiftungsmittel gezielt nachzusehen. In den Leitfäden vieler Bundesländer (u.a. Nordrhein-Westfalen) ist die Finanzierung einer Haushaltshilfe bei Mehrlingsgeburten ausdrücklich als zulässige Hilfemöglichkeit erwähnt.
Leseprobe: Frühgeburt - "minimal handling"
Die Frühgeburtsproblematik gehört zu den charakteristischen Begleiterscheinungen der Mehrlingsschwangerschaft. Ein Geburtsgewicht von über 2.500 Gramm – die formale Frühchengrenze – erreicht nicht einmal jedes zweite Zwillingsbaby. Drillinge erreichen selten ein Geburtsgewicht von 2.000 Gramm oder darüber. Viele Kinder müssen deshalb nach der Geburt noch beobachtet oder behandelt werden. Welche Maßnahmen im einzelnen erforderlich sind, richtet sich nach dem jeweils erreichten Reifegrad der Kinder.
Ein Grundanliegen der Behandlung auf der Frühgeborenenstation ist es, die medizinischen Eingriffe auf das absolut Notwendige zu beschränken und das Kind ansonsten weitmöglichst in Ruhe zu lassen ("minimal handling"). Das hat zwei Gründe:
Zum einen löst jeder äußere Eingriff bei dem Frühchen Stresssymptome aus, die den Puls und den Blutdruck ansteigen lassen. Durch den höheren Blutdruck können feine Äderchen im Gehirn platzen, was zu gefährlichen Hirnblutungen führen kann. Bei ausgewachsenen Menschen und auch bei reifen Neugeborenen besteht diese Gefahr nicht, weil sie in der Lage sind, diese Druckunterschiede durch eine Art Schleusensystem abzufangen, indem die Hirnarterien durch Muskelanspannung künstlich verengt werden. Diese Fähigkeit besitzen Frühchen, die vor etwa der 32. SSW geboren werden, jedoch noch nicht, so dass die Blutdruckunterschiede bis in die feinen Verästelungen des Endhirns durchschlagen und dort die Blutgefäße beschädigen können. Vor allem innerhalb der ersten drei Lebenstage besteht eine erhöhte Gefahr. Danach hat das hirnorganische Durchblutungssystem allmählich die Fähigkeit der Durchblutungsregulierung entwickelt, so dass die Gefahr einer stressbedingten Hirnblutung abnimmt.
Zum anderen bemüht man sich aus Gründen des Infektionsschutzes, invasive Eingriffe möglichst zu vermeiden. Unter "invasiven" Eingriffen versteht man alle medizinischen Maßnahmen, die in den Körper eindringen (z.B. Nadelstich zur Blutabnahme, Anlegen eines Katheters etc.). Alle invasiven Eingriffe bergen die Gefahr, dass Krankheitserreger durch die Hautöffnung eindringen und eine Infektion verursachen. Da die Frühgeborenen noch nicht über die erforderlichen Abwehrkräfte verfügen, können selbst banale Infekte mit allgegenwärtigen Erregern zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führen, die sofort mit Antibiotika behandelt werden muss.
Daher werden möglichst viele Messungen und Behandlungen ohne invasiven Eingriff in den Körper durchgeführt:
Für manche Eltern bedeutet das minimal handling eine große innere Anspannung, wenn sie ihr Neugeborenes in womöglich schlechtem Zustand hilflos liegen sehen, und sich innerlich fragen, warum denn niemand etwas tut für das Kind. Sie sollten dem "Nichtstun" in dieser Situation vertrauen. Der Zustand eines Frühchens kann sich innerhalb nur weniger Stunden rapide ändern – auch zum Guten. Lassen Sie sich von den Ärzten und Schwestern der Station erklären, welche Maßnahmen ergriffen wurden und welchen Behandlungserfolg oder Entwicklungsfortschritt man sich davon verspricht. Die weitere Gesundung und Entwicklung Ihres Kindes muss dann vor allem aus seiner körpereigenen Energie heraus geleistet werden. Die ärztliche Kunst kann das nicht ersetzen, sondern nur die Rahmenbedingungen dafür schaffen.